Mode als Lifestyle: Daniel Hechter revolutionierte in den 60er-Jahren die Welt der Couture.

Hosenanzüge, Mäntel im Military-Look und sportliche Kleider – in der Ära von Stöckelschuhen und hochtoupierten Kunstfrisuren waren sie eine kleine Sensation. Es war Daniel Hechter, der sie 1962 erst auf den Laufsteg und dann in die Geschäfte von Paris brachte.

Seine Vision: Kreative Mode darf nicht das Privileg einer kleinen Elite sein, die sich Haute Couture leisten kann und in einer Welt der schönen Anlässe lebt. Kreative Mode, so das Credo des Designers, muss vielmehr erschwinglich und tragbar zugleich sein.

Sie muss neue Trends und Entwicklungen aufgreifen und zielgruppengerecht umsetzen. Sie muss Millionen von Frauen das bieten, wovon sie alle träumen: schöne Kleidung, die sich anfühlt wie eine zweite Haut und für die man nicht gerade ein Vermögen hinblättern muss.

Daniel Hechter: Stilprägend für eine ganze Epoche.

Mit diesem Gedanken war Daniel Hechter seiner Zeit um jenen kleinen Schritt voraus, der nötig ist, um ein breites Publikum zu begeistern. Anfang der 60er-Jahre waren die vom Krieg zerstörten Länder Westeuropas wieder zu Wohlstand gekommen und die Zeit war reif für neue Ideen.

Frauen begannen sich zu emanzipieren und nahmen Abschied vom Leitbild der Dame. Sie wollten berufstätig sein, mobil, unternehmungslustig, nicht mehr allein an Familie und Heim gebunden.

Sportive und elegante Mode für emanzipierte Frauen

Mit der Gründung der Prêt-à-porter-Schauen hatte Daniel Hechter bereits ein Zeichen gesetzt. Mode sollte alltagstauglich werden. Mit seinen ersten Kollektionen unterwarf er sein Konzept dem ersten Test. Er bot Frauen Kleidung, die das neue Selbstbewusstsein spiegelte und sich für eine emanzipierte Lebensweise eignete. Es war der Beginn einer sportlichen und zugleich eleganten Mode. Daniel Hechter entwarf Blazer, die sich wahlweise mit Röcken oder Hosen kombinieren ließen, Hemdblusen, Strickensembles – und nicht zuletzt Trenchcoats. Galten diese Mäntel in den 50er-Jahren noch als typisches Kleidungsstück für einsame Großstadthelden, so wurden sie durch Daniel Hechter zum unerlässlichen Bestandteil der Garderobe einer stilbewussten Frau – einer Frau, die Attraktivität, ja Sexappeal mit Eigenständigkeit verbindet.

Fest steht: Daniel Hechter war stilprägend für eine ganze Epoche. Und dies gilt nicht nur für seine Damenmode. Auch in der Herrenmode, der er sich ab 1969 ebenfalls widmete, setzte er markante Zeichen.

Innovative Ideen führen Daniel Hechter zum Erfolg

Es war Daniel Hechter, der als erster Kollektionen für Werbeaufnahmen stilvoll in Szene setzte und damit Stimmungen schuf, um Mode zu verkaufen. Unvergessen eine Anzeige aus den 70er Jahren: Sie zeigt einen Mann im Anzug, der auf einem Stuhl in der Brandung des Meeres sitzt. Eine echte Innovation!

Es war Daniel Hechter, leidenschaftlicher Hobbysportler und Besitzer eines eigenen Fußballclubs, der es 1975 als erster Modeschöpfer wagte, eine eigene Sportkollektion auf den Markt zu bringen. Denn lange vor anderen Designern spürte er, welch tief greifender Wandel sich in der westeuropäischen Gesellschaft der 70er-Jahre vollzog.

Die Marke Daniel Hechter in den 80er und 90er Jahren

In einer Zeit, in der Jeans in der Oper hoffähig wurden, war nicht mehr der äußere Anlass für die Wahl des Outfits entscheidend, sondern subjektives Empfinden und persönlicher Stil. Kleidung wurde zum Ausdruck eines Lebensgefühls und Mode damit eine Frage des Lebensstils. Daniel Hechter reagierte darauf, indem er schöne, tragbare, überzeugende Mode für Frauen und Männer entwarf. Kleidung, die das Lebensgefühl der Modehauptstadt Paris vermittelte.

Darauf beruhte Daniel Hechters Erfolg als Designer und Unternehmer in den 80er- und 90er-Jahren. 1998 verkaufte er sein Unternehmen an den langjährigen Lizenznehmer in Deutschland, die Miltenberger Otto Aulbach GmbH. Die Geschäftsführung befindet sich seitdem in Deutschland, doch das Designstudio weiterhin in Paris. Aus dem Designerlabel ist eine Designermarke geworden, aber das Lebensgefühl ist geblieben. Mode von Daniel Hechter – sie steht bis heute für den Charme und die Leichtigkeit, mit der Pariser Modemacher auf die Trends ihrer Zeit antworten.